In Nürnberg gab es als Stiftung wohlhabender Patrizier seit dem Spätmittelalter zwei „Altersheime“ für „jeweils zwölf bedürftige, alte Nürnberger Handwerker“. Seit 1425/26 bzw. seit 1511 bis 1806 wurde jeder Bewohner dieser beiden „Altersheime“ in einem großen Buch porträtiert.
Die Darstellungen zeigen die Brüder vorwiegend in Ausübung ihres Handwerks, mit kennzeichnenden Herstellungsverfahren, typischen Werkzeugen, Werkstattausstattungen, Werkstoffen und Erzeugnissen – motivisch detailliert und von großer, unmittelbarer Authentizität. Jeweils hinzugefügt wurde ein Text; zunächst nur die Namen und biografischen Daten des Bruders, in späteren Jahrhunderten um Kurzbiografien erweitert.
In den insgesamt fünf „Hausbüchern“ sind 1430 Bildnisse Nürnberger Handwerker vom Spätmittelalter bis 1806 überliefert und bilden so „die umfangreichste und wertvollste serielle Bildquelle zum historischen Handwerk in Europa“. Diese Bildquellen sind durch die DFG, die Nürnberger Stadtbibliothek und das Germanische Nationalmuseum digitalisiert, umfassend erschlossen und über das Internet zugänglich gemacht worden. Unter http://www.nuernberger-hausbuecher.de lassen sich nun alle Abbildungen aufrufen, erschlossen über Register der Berufe von „Ablader“ bis „Zurichter“, der Arbeitsgeräte von „Abstecher“ bis „Zwinge“ und der Erzeugnisse vom „Akeleypokal“ bis zum „Zünder“. Hier wird das Mittelalter anschaulich!